5. Juli 2018 ǀ München Ismaning

Achtelfinale - die Dramatik hat System

maihiro WM Serie 2018 | Teil 5

Viele „Weisheiten“ scheinen bei dieser WM ad absurdum geführt zu werden!

1. Achtelfinale: Frankreich - Argentinien

Der absolute Knaller war bereits das 1. Achtelfinale Frankreich gegen Argentinien, Vizeweltmeister gegen Vizeeuropameister oder auch Weltfußballer Messi gegen den zukünftigen Superstar Mbappe. Das Spiel ließ kaum Wünsche offen, die Argentinier übernahmen die Kontrolle, Frankreich hielt sich trotz überragender Offensive zurück und blieb defensiv. Umso gnadenloser schlugen die Franzosen zu. Mbappe’s Lauf wurde jäh gestoppt, Griezmann verwandelte den fälligen Elfer souverän in der 13. Minute. Argentinien war dagegen eher ideenlos um den unauffälligen Messi. Doch plötzlich stand Di Maria frei und schoss beinahe aus dem Stand den überraschenden Ausgleich in der 41. Minute zum Halbzeitstand.

Die 2. Halbzeit begann ähnlich wie die erste, jedoch landete der erste Schuss im Tor der Franzosen. Messi nahm einen Abpraller auf, drehte sich um 360 Grad und zog ab. Mercado stand zufällig im Weg und lenkte den Ball unhaltbar zum 2:1 ins Tor in der 48. Minute. So muss Frankreich mehr Risiko eingehen, an sich kein Problem für die hochtalentierte Truppe, doch nicht ganz nach der Idee von Trainer „General“ Deschamps. Dann überschlagen sich die Ereignisse, Frankreich dreht das Spiel in 9 Minuten zum 4:2 Zwischenstand. Pavard erzielt mit einem Traumvolley in der 58. Minute sein erstes Tor für „Le Bleuz“. Mbappe nutzt einen Abpraller in der 64. Minute, Torhüter Armani wird eher unglücklich erwischt. Die Krönung in der 68, Minute als Frankreich überfallartig per Konter u.a. über Griezmann und Giroud wieder Mbappe einsetzt, der eiskalt vollstreckt. Die Entscheidung ist gefallen. Argentinien gibt bis zum Schluss nicht auf und kann fast mit dem Schlusspfiff noch durch Aguero das 4:3 erzielen.

2. Achtelfinale: Uruguay – Portugal

Europameister Portugal versuchte seinen typischen eher behäbigen Ballbesitz-Fußball durchzusetzen. Uruguay für seine starke Defensive bekannt, bisher kein Gegentor in der Gruppenphase, ließ kaum Chancen zu. Gleich in der 7. Minute der Paukenschlag, hier waren die beiden Stürmerstars von Paris St. Germain Cavani und Suarez zur Stelle. Zuerst der lange Flankenwechsel von Cavani zu Suarez auf die linke Seite. Dieser fackelte nicht lange und flankte per Geschoß wieder zu Cavani auf den 2. Pfosten, der nur noch den Kopf hinhielt zur Führung. Portugal übernahm wieder das Kommando und rannte sich ein ums andere Mal fest am uruguayischen Abwehrriegel. Der Ausgleich konnte nur per Standard fallen. Kurze Ecke von links in der 55. Minute und Guerrero flankt ins Zentrum, wo Ronaldo den Ball nicht erreicht, aber der freistehende Verteidiger Pepe zum 1:1 Ausgleich.

Die Portugiesen drängen auf die Führung, die Bemühungen verlaufen allerdings meistens im Sande. So schlägt Uruguay erneut zu in der 62. wieder in Person von Cavani. Durch einen zielstrebigen Konter spielt Bentancur Cavani links frei und er zirkelt den Ball direkt ins lange Eck. Der Schuss schien haltbar, Torhüter Patricio stand viel zu weit rechts um den geschlenzten Schuss halten zu können. Portugal versuchte bis zum Ende alles um auszugleichen, doch die Verteidigung der Urus war nicht mehr zu überwinden. Auch Ronaldo war kein Treffer mehr vergönnt, wie in allen seinen bisherigen K.O.-Spielen, wie verflucht. So schieden ausgerechnet an einem Tag genau die beiden Spieler aus, die sich im letzten Jahrzehnt die Trophäe des Weltfußballers geteilt haben – Messi und Ronaldo.

3. Achtelfinale: Spanien – Russland

Die Favoritenrolle war klar verteilt an Spanien. Spanien blieb seinem Stil treu, der sie 2010 zur Weltmeisterschaft geführt hat, Ballbesitz um des Ballbesitzes willen ohne Raum zu gewinnen, um den Gegner mürbe zu spielen. So fiel das erste Tor eher zufällig für Spanien in der 11. Minute, Freistoß von links durch Asensio und Ignashevich lenkt den Ball bei dem Versuch Ramos abzudrängen mit dem Fuß ins eigene Tor. Am Spiel ändert sich nicht viel, Spanien kontrolliert die Partie. Zum Ende der Halbzeit wird Russland mutiger ohne wirklich gefährlich werden zu können. So fällt auch der Ausgleich nach einem Standard in der 41. Minute. Nach einer Ecke springt Pique der Ball aus einem Kopfball im Rücken an seine ausgestreckte Hand und es gibt Elfmeter. Dzuba verwandelt zum 1:1.

In der 2. Hälfte das gleiche Spiel. Spanien lässt Ball und Gegner laufen, aufgrund des geringen Tempos können die Iberer keine Lücke in die russische Abwehr reißen und Chance bleiben Mangelware. So geht es in ähnlicher Weise in die Verlängerung. Spanien ist weiterhin die bessere Mannschaft und sucht die Entscheidung, aber es fällt kein Tor mehr. Elfmeterschießen! Doch den Spaniern flattern die Nerven, die Schüsse von Koke und Aspas kann Akinfeev halten. So kommt Russland weiter ins Viertelfinale, die alle 4 Elfer treffen.

4. Achtelfinale: Kroatien – Dänemark

Weit aufregender war diese Partie. Die starken Kroaten gegen die Dänen. In den ersten Minuten überschlagen sich die Ereignisse. Gleich mit dem ersten Angriffsversuch fällt das Tor für die Dänen. Nach langem Einwurf eine Spezialität der Dänen, fällt der Ball Delaney vor die Füße, der zieht sofort ab und Subasic lenkt den Ball selbst ins Tor. In der 4. Minute schlagen die Kroaten zurück. Ein Querschläger landet wie beim Billard bei Mandzukic der muss nur noch einschieben zum 1:1. In der Folgezeit schwankt das Spiel hin und her, einmal haben die Dänen Oberwasser, dann werden die Kroaten wieder stärker. Keine Mannschaft kann sich entscheidend durchsetzen.

Die gegen Argentinien noch so starken Kroaten fehlt das Tempo, die Zielstrebigkeit sowie die Durchschlagskraft. Die Dänen verteidigen geschickt und können vorne immer wieder Akzente setzen wie mit ihren weiten Einwürfen. Auch in der Verlängerung scheint keine Entscheidung zu fallen. Plötzlich schickt Modric mit einem genau getimten Pass Rebic steil. Dieser läuft allein auf Schmeichel zu und wird gelegt. Elfmeter in der 113. Minute! Kapitän Modric tritt an, doch Schmeichel ahnt die Ecke und hält! So muss auch hier das Elfmeterschießen entscheiden. Das Elfmeterschießen – ein Spiegelbild der Partie. Es wogt hier und her. Schlussendlich hält den Subasic den 10. Elfmeter geschossen vom Dänen Jörgensen. Kroatien gewinnt mit 3:2.

5. Achtelfinale: Brasilien – Mexiko

Mexiko überrascht zu Beginn und greift im Gegensetz zum Spiel gegen die Deutschen früh an. Gleich in der 1. Minute wird die Großchance durch Lozano gerade noch durch Miranda geblockt. Brasilien kommt nur langsam in die Gänge und die giftige Spielweise der Mexikaner macht der Selecao zu schaffen. Erst zum Ende der 1. Halbzeit hin werden die Brasilianer stärker, angetrieben durch die Superstars Neymar und Coutinho.

In der 2. Hälfte beginnt Brasilien stärker. Willian wird von Coutinho mit der Hacke bedient und zieht die Flanke scharf vors Tor. Neymar grätscht und drückt den Ball zur 1:0 Führung über die Linie. Mexiko versucht in der 2. Hälft nochmal zurückzuschlagen, doch das Tor bleibt. In der 88. Minute schließlich die Entscheidung. Beim Konter bedient Miranda den starken Neymar. Dieser zieht in den Strafraum und legt ab auf Firmino, der den Ball über die Linie drückt.

6. Achtelfinale: Belgien – Japan

Die Favoritenrolle ist klar bei den Belgiern zumal Japan gerade so ins Achtelfinale rutschte. Belgien bestimmt die erste Hälfte und drängt die Japaner an den eigenen Strafraum zurück, doch die „roten Teufel“ können das Chancenplus nicht in ein Tor ummünzen. In der 2. Hälfte die Überraschung – Doppelschlag durch Japan. Japan fängt den belgischen Angriff ab und kontert blitzschnell 48. Minute. Der Pass auf Haraguchi verfehlt Meunier und der Japaner geht aufs Tor Richtung Courtois und schließt eiskalt in die linke untere Ecke ab zum 1:0. 3 Minute später verteidigen die Belgier erneut schläfrig.

Kagawa schirmt vor dem belgischen Strafraum den Ball geschickt ab und legt auf Inui, der trifft den Ball perfekt aus 20 Meter knallhart ins rechte Eck zum 2:0. Belgien ist nur kurz geschockt, wechselt 2x offensiv und gehen wieder in den Angriff über, doch Japan zieht sich nicht zurück. In der 69. Minute wird der Ball nach einer Ecke der Belgier per Querschläger hoch an die linke Strafraumgrenze geklärt. Vertonghen nimmt den Ball per Kopf und dieser landet per Bogenlampe genau im langen Eck. Torhüter Kawashima war wohl so überrascht, dass er gar nicht richtig reagieren konnte. 5 Minute das nächste Tor! Hazard dribbelt sich links durch und flankt an den japanischen Fünfer. Fellaini steigt hoch und nutzt seinen Längenvorteil und köpft ein zum umjubelten 2:2 Ausgleich. Beide Mannschaften suchen nun die Entscheidung, doch Belgien ist zwingender. In der 94. Minute. Freistoß für Japan, Courtois fängt den Ball ab und wirft den Ball weit ab zu De Bruyne. Er durchläuft das Mittelfeld in allerhöchstem Tempo, ohne dass die Japaner ihn stören können, legt rechts in den Lauf von Meunier. Lukaku hatte den Raum freigemacht. Meunier schiebt den Ball quer in den Strafraum, Lukaku lässt durch und Chadli nimmt den Ball aus vollem Lauf und schiebt ein zum 3:2. Belgien feiert das größte Comeback bei der WM. Der Anstoß wird erst gar nicht mehr ausgeführt.

7. Achtelfinale: Schweden – Schweiz

In der ersten Hälfte dominieren wie so oft bei der WM die Defensivreihen. Keine der beiden Mannschaften kann Akzente setzen im Angriff. Auch die 2. Hälfte plätschert so dahin. Höhepunkte sind Mangelware. Aus dem Nichts fällt bereits das Siegtor für die Schweden in der 58. Minute. Toivonen spielt zu Forsberg, sein Schuss wird durch Akanji denkbar unglücklich in den Winkel abgelenkt. Die Schweizer müssen nun mehr riskieren um das Ausscheiden abzuwenden, klare Chancen können sie jedoch kaum herausarbeiten. Die starke schwedische Abwehr um den Keeper Olsen steht sicher. Auch schweizerische Standards wie Ecken können die hochgewachsenen und gut organisierten Schweden kaum in Bedrängnis bringen. Eine rote Karte für den Schweizer Lang in der 94. Minute besiegelt das Schicksal der Eidgenossen.

8. Achtelfinale: Kolumbien – England

Kolumbien musste schmerzlich auf ihren Superstar James verzichten, so etwas wie der Takt- und Ideengeber der Cafeteros. Das ist ihnen große Teile des Spiels anzumerken, in der Offensive mangelt es an Ideen. Die englische Viererkette um den hochgewachsenen Maguire strahlt eine enorme Sicherheit aus. Insgesamt bestimmen die Three Lions das Spiel, können sich jedoch nur selten entscheidend durchsetzen. Die meiste Zeit spielt sich die Begegnung im Mittelfeld ab. So geht es torlos in die Halbzeit.

In der 57. Minute plötzlich Elfmeter für England. Nach einer Ecke ringt Sanchez Kane im Strafraum regelrecht nieder. Kane vollstreckt eiskalt zum 1:0, sein 6. Treffer. Daraufhin fällt das Spiel vor allem durch Fouls auf beiden Seiten auf, Schiedsrichter Geiger hat das Spiel in dieser Phase nicht mehr im Griff. Kolumbien hat noch nicht aufgegeben, kommen aber gegen die glänzend postierte Abwehr kaum vor das gegnerische Tor. Die zündenden Ideen von James fehlen. In der 82. ein Aussetzer von Walker im Spielaufbau. Die Kolumbianer kontern direkt und Cuadrado kommt halbrechts frei zum Schuß und verzieht kläglich. Bereits in der Nachspielzeit die größte Möglichkeit für die Südamerikaner. Uribe nimmt einen Weitschuss aus knapp 30m volley und Pickford kann gerade noch zur 1. Ecke klären. Cuadrado bringt die Ecke von rechts und wie in der Vorrunde ist der hochaufgeschossen Mina zum 3. Mal mit dem Kopf zur Stelle und gleicht aus in der 93. Minute. In der Verlängerung schwankt das Spiel hin und her aber kein Treffer fällt. Das 3. Elfmeterschießen im 8. Achtelfinale ist fällig. Die ersten 5 Schützen verwandeln souverän. Dann wehrt Ospina den Schuss von Henderson ab, Uribe für Kolumbien hämmert den Ball an die Latte. Trippier trifft. Pickford hält den Schuss von Bacca mit der linken Hand. Dyer verwandelt den 10. Schuss. England gewinnt zum ersten Mal in der WM-Geschichte ein Elfmeterschießen!

„Flüche“ der WM

Spanien scheitert bereits zum 10. Mal bei einer WM oder EM am Gastgeber, wie dieses Mal gegen Russland. England besiegt sein unglaubliches Trauma und gewinnt zum ersten Mal ein Elfmeterschießen. Trainer Southgate hatte dafür tatsächlich eigens ein Programm aufgelegt und lässt dies bei jedem Training üben, u.a. auch mit Zuschauerbeteiligung um die Drucksituation zu simulieren. Die Ironie darin, ausgerechnet Southgate hatte bei der EM 1996 im Halbfinale den entscheidenden Elfmeter gegen Deutschland verschossen.

Nicht nur der der Weltmeister Deutschland ist bereits in der Vorrunde ausgeschieden, nun auch der Vizeweltmeister Argentinien und Europameister Portugal. Copa America-Sieger Chile war erst gar nicht dabei.

Nur 3 der Viertelfinalisten konnten auch 2014 selbiges erreichen, Brasilien, Frankreich und Belgien. Das zeigt, wie schwer es ist sich bei einer WM durchzusetzen.

Elfmeter wann eigentlich?

Schwierig, wenn man die WM so beobachtet - ähnliches lässt sich auch in den europäischen Wettbewerbern erkennen – scheinen im Strafraum zum Teil andere Regeln zu gelten als außerhalb. Laut Gesetz sind es dieselben.

Mittlerweile gehört es zum „guten Ton“, dass bei Standardsituationen innerhalb des Strafraums wahre Ringkämpfe stattfinden, in den meisten Fällen gegen den Stürmer. Regelwidrigkeiten, die außerhalb des Strafraums immer zu einem Freistoß führen, werden im Strafraum in vielen Fällen als nicht strafbar bewertet. So erscheint es dem Zuschauer geradezu willkürlich, wann ein Strafstoß fällig wird und wann nicht, auch trotz Video-Schiedsrichter. Beispiele lassen sich auch bei der WM reichlich finden.

Daher muss man sich nicht wundern, dass die Verteidiger beinahe alle Mittel einsetzen und ein hohes Risiko gehen, um den Stürmer am Torabschluss zu hindern. Leider hat das oft wenig mit Fußball zu tun. Auch die Regel für Handspiel bleiben weiterhin eine Blackbox, sowohl für Spieler, Trainer, Journalisten wie auch scheinbar für die Schiedsrichter selbst. Teils exakt gleiche Situationen führen bei einem Schiedsrichter zu einem Strafraum bei anderen wieder nicht. Wann ist eine Berührung des Balles mit der Hand strafbar und wann nicht, wenn zum Teil den Verteidiger den Ball gar nicht gesehen hat oder aufgrund der Geschwindigkeit gar nicht sehen konnte? Eine von allen nachvollziehbare Regelung bleibt weiter Fehlanzeige.

Autor: Arno Hettler ǀ 5. Juli 2018 ǀ München Ismaning

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Arno Hettler

Über den Autor

Arno Hettler

Arno ist seit 2008 bei maihiro und für den Bereich MOS (als Application Manager) tätig. In seiner Freizeit schlägt sein Herz für den Fußball. Logisch, dass die bevorstehende WM für Arno DAS Ereignis des Jahres wird. Mit seinem Fußball-Fieber hat er unser Team bereits angesteckt, zum sechsten Mal ein internes Tippspiel organisiert und zum dritten Mal die maiWM. Erstmals teilt Arno in den kommenden Wochen sein Fußballwissen mit allen maihiro-Followern.