28. Juni 2018 ǀ München Ismaning

Das AUS für Deutschland

maihiro WM Serie 2018 | Teil 4

Nach der Niederlage gegen Südkorea ereilt den Titelverteidiger

das gleiche Schicksal wie seinen letzten vier von fünf Vorgängern.

Erstmalig in der WM-Historie ist eine deutsche Nationalmannschaft

bei 19 Teilnahmen in der Vorrunde ausgeschieden. Ein Alptraum!

Die Rahmenbedingungen waren vorgegeben, ein Sieg gegen Südkorea musste her. So baute Löw seine Mannschaft auf fünf Positionen um. Die Innenverteidigung bildeten Hummels (für den gesperrten Boateng) und Süle für Rüdiger. Im Mittelfeld durften die bisher enttäuschenden Khedira und Özil beginnen. Der schwache Müller sowie Draxler mussten auf die Bank. So kam Goretzka zu seinem ersten WM-Auftritt.


Die erste Halbzeit

Deutschland begann kontrolliert vorsichtig und versuchte, in den ersten Minuten den Ball in den eigenen Reihen zu halten. Man war bedacht die gegen Mexiko offensichtlichen Fehler in der Absicherung nicht erneut zu begehen. So war der Spielaufbau behäbig und die Gefahr für die tief stehenden Südkoreaner mehr als überschaubar. Erste Gefahr für Neuer kam durch einen Freistoß in der 18. Minute. Woo-Young wuchtet ihn aus 20 Meter aufs deutsche Tor. Neuer kann den strammen Ball nicht festhalten und muss akrobatisch klären vor Son. Deutschland forciert daraufhin seine Offensivbemühungen. Doch die nächste Chance haben erneut die Koreaner. In der 24. Minute klärt Süle eine Flanke erneut zu Son. Dieser nimmt den Ball volley und verzieht aus knapp zehn Metern knapp über das deutsche Tor. Deutschland versucht weiter Druck auszuüben, mit viel Ballbesitz. Aber aufgrund zu geringer Laufbereitschaft fehlen in der Offensive die klaren Anspielstationen und die Ballstafetten sowie Flanken von außen bleiben weiterhin nur Stückwerk. Eins gegen Eins Situationen werden vermieden, so können die Koreaner leicht Chancen verhindern. In der 32. Minute – bezeichnend – die beste Chance durch einen von Goretzka abgefangenen Ball. Statt links auf den freistehenden Werner zu passen – hätte frei aufs Tor gehen können – leitet er auf Reus rechts weiter. Der Schussweg ist aber zu, dieser wird geblockt.

Die zweite Halbzeit

Halbzeit und Durchpusten bei der Hitze von Kasan. Nicht aus der Ruhe bringen lassen! Auch im Parallelspiel zwischen Mexiko und Schweden steht es noch 0:0 Unentschieden. So bliebe die Gruppe unverändert und Mexiko käme mit den Deutschen ins Achtelfinale, ein gewagtes Spiel. Erst ein Spiel endete 0:0.

Die zweite Halbzeit eröffnet die DFB-Elf in der 47. Minute mit der bisher größten Möglichkeit. Kimmich flankt präzise – leider bisher viel zu selten – zu Goretzka. Dieser köpft aus zehn Metern unbedrängt aufs Tor, doch Hyun-Woo klärt glänzend. In der 50. Minute die schlechte Nachricht aus Yekaterinburg. Schweden führt 1:0. Deutschland wäre raus. Löw reagiert in der 58. Minute und bringt mit Gomez einen zweiten Stürmer für den eher unsicheren Khedira. Danach in der 60. Minute eine Möglichkeit. Werner sprintet rechts in Richtung Strafraum und legt quer auf Özil. Dieser verweigert den Schuss und legt ab auf Kroos. Kroos zieht ab und trifft nur einen Koreaner. Zu oft wird die Verantwortung abgegeben statt selbst das Herz in die Hand zu nehmen. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch das Turnier. Die deutsche Elf kann die Verunsicherung nicht abschütteln. In der 62. Minute fällt das nächste Tor der Schweden. Gleichzeitig wird der bemühte, aber glücklose Goretzka, ersetzt durch den Torschützenkönig von 2010, Müller. Löw zählt auf die Abschlussstärke seines unkonventionellen „Raumdeuters“. Fällt jetzt das Tor für den Titelverteidiger Mexiko, wäre ausgeschieden.

Da die Deutschen das Risiko erhöhen, wird Korea stärker und die Konter zielstrebiger. In der 67. Minute ist es erneut Kimmich, der für das erste Tor in den Strafraum hereingeben will. Doch Gomez köpft aus kurzer Distanz direkt in die Arme von Hyun-Woo. 74. Minute: Schweden geht mit 3:0 in Führung. Es ändert sich nichts. Ein Tor würde die Deutschen erlösen. Der letzte Wechsel spät, in der 78. Minute. Der bisher so erfrischende Brandt kommt für Hector. Die Viererkette wird aufgelöst und Löw geht maximales Risiko. Ein Angriff nach dem anderen startet die deutsche Elf aus das koreanische Tor. Doch mangels Anspielstationen muss Kroos den Ball weit in die gegnerische Hälfte schleppen.

Damit geht jegliches Tempo verloren. So kreist der Ball um den koreanischen Strafraum meistens mit zu geringem Tempo als das sich die Abwehr aufreißen ließe. Die grundlegenden Mittel wie eins gegen eins Situationen, Doppelpässe oder Hinterlaufen der schnellen Außenspieler wie Werner, Reus, Kimmich oder Brandt - im modernen Fußball immer

wichtiger - werden praktisch nicht versucht. Es fehlt an jeglichem Selbstvertrauen und Risikobereitschaft, um die nicht gerade hoch eingeschätzten Südkoreaner groß in Verlegenheit bringen zu können.


Dafür werden die Konter der Koreaner immer gefährlicher. Gerade der starke Son bringt die hoch aufgerückte letzte Kette um Süle und Hummels immer wieder ziemlich in Bedrängnis. In der 86. wieder die Deutschen, der sonst untergetauchte und behäbige Özil flankt butterweich auf Hummels. Doch Hummels frei vor Hyun-Woo erwischt den Ball nur mit der Schulter. Das hätte das Tor sein müssen! In der 88. Minute wird ein erneuter Konter der Koreaner von Süle zur Ecke gelenkt. Die Ecke von links kann nicht geklärt werden. So stochert Kroos um den Ball am Fünf-Meter-Raum, doch spitzelt den Ball unglücklich durch die Beine von Süle auf den völlig freistehenden Young-Gwon. Dieser versenkt den Ball unter die Latte, unhaltbar für Neuer. Der Treffer wird wegen Abseits nicht gegeben. Doch der Videoschiedsrichter greift ein. Der gute Schiedsrichter Geier überprüft die Szene am Monitor und entscheidet in der 91. Minute auf Tor für Südkorea. Dass der Pass von Kroos war, war in der Realgeschwindigkeit bereits klar zu erkennen. Wie so oft kann die angreifende Mannschaft kein Tor erzielen, so wird dies in vielen Fällen bestraft, wenn auch das Tor sehr unglücklich fiel, aber nicht unverdient für die Koreaner.

Die Nachspielzeit und das bittere Ende


Sechs Minuten Nachspielzeit. Deutschland braucht zwei Tore und wirft alles nach vorne. Selbst Neuer taucht plötzlich völlig überflüssig im Mittelfeld auf. Doch selbst in dieser Phase schaffen es die Deutschen noch nicht einmal, einen langen Ball in den Strafraum zu schlagen für die allerletzte Möglichkeit. So wird der Ball im Mittelfeld abgefangen, Ju spielt den langen Ball in die verwaiste deutsche Hälfte. Son, der beste Koreaner, schießt den Ball in der 96. Minute ins leere Tor. Somit ist das Ausscheiden endgültig besiegelt! Es ist wirklich vorbei…

Gedanken

  1. Was ist nur aus der Mannschaft geworden, die in der Qualifikation zehn(!) Spiele in Folge gewann und keinen Zweifel aufkommen ließ, wer der Weltmeister ist?
  2. Was ist nur passiert seit eine Art U23 2017 auf eine erfrischende und unbekümmerte Art den Confed-Cup gewann mit einer Leidenschaft, die in Russland komplett abhandengekommen war in einer leblosen Mannschaft? Derartige Fragen muss sich Jogi Löw gefallen lasen.

„Mit einer schlechten Mannschaft kann man immer früh ausscheiden, aber nicht mit einer Mannschaft wie dieser“. Das hätte nicht passieren dürfen!

Michel Ballack

Selbst der berühmte Spruch von Gary Lineker 1990 über die Deutschen ist Geschichte:

"Fußball ist ein einfaches Spiel. 22 Spieler rennen 90 Minuten lang einem Ball hinterher und am Ende gewinnen die Deutschen nicht mehr. Die vorherige Version ist nun Geschichte."

Gary Lineker

Wer erreichte nun das Achtelfinale?

In Gruppe A besiegte Uruguay Russland klar zum Gruppensieg, beide sind weiter. In Gruppe B retten sich Spanien und Portugal mit je einem Unentschieden ins Achtelfinale. In Gruppe C waren Frankreich und Dänemark bereits qualifiziert und trennten sich Unentschieden. Dramatik pur in der Gruppe D, Kroatien war bereits klar als Gruppensieger. Argentinien gewann durch ein Tor kurz vor Schluss gegen Nigeria, sonst wären die Afrikaner weiter gewesen. Selbst die im ersten Spiel schwachen Argentinier stemmten sich mit aller Gewalt gegen das Ausscheiden. Das war leider bei der DFB-Elf nicht zu spüren. Souverän die Gruppe E gewannen die Brasilianer mit einem Sieg gegen Serbien. Schweiz ist zweiter. In Gruppe G besiegt Belgien England und gewinnt die Gruppe. Kurios das Ende in Gruppe H. Kolumbien besiegt Senegal und ist Gruppensieger. Japan verliert sogar das Spiel gegen Polen. Doch aufgrund der besseren FairPlay-Wertung sichert sich Japan Platz zwei und die punkt-/torgleichen Senegalesen scheiden unglücklich aus. Somit erreicht keine afrikanische Mannschaft das Achtelfinale.

Also vielleicht ein Endspiel Brasilien – Spanien, Belgien - England, Frankreich – Spanien…wer weiß das schon.

Autor: Arno Hettler ǀ 28. Juni 2018 ǀ München Ismaning

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Arno Hettler

Über den Autor

Arno Hettler

Arno ist seit 2008 bei maihiro und für den Bereich MOS (als Application Manager) tätig. In seiner Freizeit schlägt sein Herz für den Fußball. Logisch, dass die bevorstehende WM für Arno DAS Ereignis des Jahres wird. Mit seinem Fußball-Fieber hat er unser Team bereits angesteckt, zum sechsten Mal ein internes Tippspiel organisiert und zum dritten Mal die maiWM. Erstmals teilt Arno in den kommenden Wochen sein Fußballwissen mit allen maihiro-Followern.