25. Juni 2018 ǀ München Ismaning

Dramatik in Sotschi! Deutschland siegt in der Nachspielzeit dank Kroos!!!

maihiro WM Serie 2018 | Teil 3

Deutschland ringt die tapferen Schweden nieder mit 2:1.

Toni Kroos schlenzt den von Reus angetippten Freistoß in der 95. Minute im rechten Winkel zum Sieg.


Jogi Löw setzte gegen die Schweden auf neues Personal und änderte vier Positionen. Eine für Löw eher ungewöhnliche Maßnahme, nach dem schwachen Auftritt gegen Mexiko aber mehr als nachvollziehbar. Die linke Abwehrseite war komplett neu mit Hector für Plattenhardt und Rüdiger für Hummels. Auch die schwache Zentrale mit Khedira und Özil musste für Rudy und Reus ebenso weichen. Von Beginn an merkte man den Deutschen an, dass heute nur eine Mannschaft als Sieger vom Platz gehen wollte – die DFB-Elf. Sie baute enormen Druck auf und schnürte die Schweden am eigenen Strafraum ein. Schon in der zweiten Minute setzte Werner Draxler vor dem schwedischen Tor ein und dessen Schuss blockte ein Verteidiger gerade noch. Die Deutschen waren tonangebend. In der zwölften Minute dann ein Aussetzer von Rüdiger im Spielaufbau. Berg wird auf die Reise geschickt und läuft allein auf Neuer zu. Im letzten Moment wird er beim Schuss - an sich regelwidrig - von Boateng gerempelt. Doch glücklicherweise entscheidet keiner, auch nicht der Videoreferee, auf Elfmeter!

Dieser gefährliche Konter zeigte, dass das Selbstverständnis der Deutschen empfindlich gestört war. Danach war erkennbar, wie verunsichert die DFB-Elf war. Dazu passte noch die Verletzung von Rudy, den Löw mit einem Verdacht auf Nasenbeinbruch durch Gündogan ersetzen musste. Kurz darauf in der 32. Minute unterlief dem sonst passsicheren Kroos ein leichter Abspielfehler. Die Schweden konterten über die rechte Seite und die Flanke auf Toivonen schlenzt dieser noch unhaltbar durch Rüdiger ins lange Eck zur 1:0 Führung. Das Tor kam aus dem Nichts! Der Schock sitzt tief. Vor der Halbzeit in der 39. Minute zieht Gündogan auf das kurze Eck ab. Doch Torhüter Olsen hält glänzend. Mit diesem Ergebnis zur Halbzeit wäre Deutschland zum ersten Mal in der WM-Geschichte in der Vorrunde ausgeschieden.

Die zweite Halbzeit

Direkt nach der Pause ersetzt Gomez als zweiter Stürmer den eher harmlosen Draxler. Deutschland dreht wie zu Beginn direkt auf. Der starke Werner setzt sich in der 48. Minute außen durch und die abgefälschte Flanke befördert Reus mit dem Knie zum Ausgleich ins Netz. Die deutsche Elf bleibt dran, verstärkt den Druck weiter und die Schweden ziehen sich noch tiefer an den eigenen Strafraum zurück. Ebenso häufen sich die Abschlüsse, aber die letzte Entschlossenheit und Präzision fehlt. Meistens ist der Spielaufbau eher langsam und die Schweden schaffen es durch Verschieben, die Räume eng zu halten. Durch Kimmich oder Reus kommt eher wenig, wenn sind die Flanken zu spät oder ohne Ziel. Es traut sich kaum jemand in das Dribbling zu gehen, um Lücken in die schwedische Abwehr zu reißen. So wird die Verantwortung von einem Spieler zum nächsten geschoben. In der 82. Minute der nächste Schock! Boateng – bereits gelb verwarnt – rasiert völlig unnötig Berg im Mittelfeld und wird mit Gelb-Rot vom Platz gestellt. Doch trotz Unterzahl spielen die Deutschen weiter auf Sieg, sonst ist das Achtelfinale eher nicht zu erreichen. Wie Duplizität der Ereignisse gegen Mexiko laufen die letzten Minuten. In der 87. Minute wechselt Löw Brandt ein für Hector und geht damit „All-In“. Dieser hat wie gegen Mexiko das Tor auf dem „Schlappen“. Nach der Ecke kurz ausgeführt zieht er bereits in der Nachspielzeit aus einer ähnlichen Position ab wie gegen Mexiko. Diesmal stand der Innenpfosten im Weg, wie verhext. Dann Freistoß links vom Strafraum, die letzte Chance in der Nachspielzeit – 95. Minute ist gespielt. Reus tippt kurz an und Kroos statt aus spitzem Winkel eher zu flanken zirkelt den Ball über Olsen hinweg in den rechten Winkel. Deutschland hat das Spiel gedreht und der Jubel kennt keine Grenzen mehr.

Parallel gewann Mexiko mit 2:1 gegen Südkorea. Somit reicht den Deutschen ein Unentschieden gegen Südkorea zum Achtelfinale, nur sofern Schweden gegen Mexiko verliert. Gewinnen jedoch Schweden und Deutschland, haben drei Mannschaften sechs Punkte. In diesem seltenen Fall muss eine Sondertabelle um den Einzug in Achtelfinale herhalten und das Torverhältnis würde entscheiden…Wieder mal ein Herzschlagergebnis, wie so häufig bei dieser WM, wäre möglich!

Hier heißt es so schön. Manchmal muss das so oft genannte „Spielglück“ herhalten und Nuancen entscheiden über Sieg und Niederlage. Davon war Deutschland bisher nicht gerade verwöhnt worden!

Wie erging es den weiteren Favoriten?

Nicht so gut erging es dem anderen Finalisten aus 2014, Argentinien. Nach der krachenden Niederlage mit 0:3 gegen die bärenstarken und robusten Kroaten, steht die Albiceleste um den enttäuschende Messi bei gerade mal einem Punkt. Auch die weiteren Favoriten haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Spanien, Portugal und Frankreich gewannen ihre Spiele denkbar knapp mit 1:0 (Ronaldo mit vier Toren). Spanien und Portugal sollten hier weiterkommen, Frankreich ist bereits qualifiziert. Auch die im ersten Spiel auftrumpfenden Brasilianer waren gegen Costa Rica auf die Nachspielzeit angewiesen für den 2:0 Sieg. So treffen sie im dritten Spiel auf die gefährlichen Serben und können ebenfalls noch ausscheiden in der wohl schwersten Gruppe mit der Schweiz. In der Überraschungsgruppe H schlug Kolumbien die hoch eingeschätzten Polen (immerhin Nr. acht der Welt) mit 3:0. Polen ist somit als erste europäische Mannschaft ausgeschieden.

Qualifiziert für das Achtelfinale sind bereits die beflügelten Gastgeber Russland (klarer Sieg 3:1 gegen schwache Ägypter um Salah) sowie Uruguay in Gruppe A, die im dritten Spiel untereinander den Gruppensieger klären. Gleiche Konstellation ist in Gruppe G mit Belgien und England – den besten Sturmreihen im Turnier bisher mit acht Toren wie Russland. England schaffte am Sonntag mit dem 6:1 gegen Panama den höchsten Sieg in ihrer WM-Geschichte. Hier scheinen sich die beiden Geheimfavoriten gefunden zu haben.

Statistiken zum „Glänzen“

  • Bei den Torjägern hat sich der Engländer Harry Kane in den Vordergrund geschossen. Mit seinen drei Toren liegt er nun bereits mit fünf Treffern in zwei Spielen sogar vor Ronaldo.
  • Gleichauf mit vier Toren liegt der Belgier Lukaku.
  • Bei den letzten neun von zehn Weltmeisterschaften reichten „schon“ sechs Tore zum Gewinn des „Goldenen Schuhs“ für den besten Torschützen.
  • Bei der letzten WM war das der Kolumbianer James Rodriguez.
  • Der letzte, der mehr als sechs Treffer erzielen konnte, war der unnachahmliche Ronaldo, 2002. Er schoss die Selecao zum Titel und traf allein im Finale gegen Kahn zweimal.
  • Die „Joker“ waren beim ersten Spieltag nahezu wirkungslos. Lediglich drei Treffer erzielten Einwechselspieler. Das glücklichste Händchen hatte dabei Tschertschessow, der Trainer Russlands, der alle drei Wechsel veranlasste.

  • Mit neun Strafstößen sorgten die Schiedsrichter für eine wahre Elfmeterflut am ersten Spieltag (drei davon durch Videoentscheidung). Das sind bereits genauso viele wie in der gesamten Gruppenphase 2014.

Autor: Arno Hettler ǀ 25. Juni 2018 ǀ München Ismaning

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Arno Hettler

Über den Autor

Arno Hettler

Arno ist seit 2008 bei maihiro und für den Bereich MOS (als Application Manager) tätig. In seiner Freizeit schlägt sein Herz für den Fußball. Logisch, dass die bevorstehende WM für Arno DAS Ereignis des Jahres wird. Mit seinem Fußball-Fieber hat er unser Team bereits angesteckt, zum sechsten Mal ein internes Tippspiel organisiert und zum dritten Mal die maiWM. Erstmals teilt Arno in den kommenden Wochen sein Fußballwissen mit allen maihiro-Followern.