13. Juli 2018 ǀ München Ismaning

ROTER TEUFEL unheimlich ungefährlich – LE BLEUZ im Finale

Die maihiro WM Serie 2018 | Teil 7

Die Grande Nation steht dicht vor dem großen Triumph:

Dank Torschütze Umtiti zerstört Frankreich den WM-Traum seines kleinen

Nachbarns Belgien und greift 20 Jahre nach dem Triumph

in Paris nach dem zweiten Titel.

Belgien scheidet dagegen nach 1986 auch bei der zweiten Halbfinal-Teilnahme aus und muss sich am Samstag mit dem kleinen Finale begnügen.


Viel Kontrolle, nur keine Fehler machen. Die Grundtugenden für ein WM-Halbfinale waren bei beiden Teams erkennbar. Die Partie bietet leider nicht das erhoffte Offensiv-Spektakel wie im Viertelfinale zwischen Belgien und Brasilien, stattdessen sind taktische Disziplin Trumpf. Besonders die Franzosen verzichten auf jedes Pressing. Ein geschickter Schachzug, stattdessen ziehen sie sich weit in die eigene Hälfte zurück. Damit berauben sie Belgien um ihre stärkste Waffe. Lücken sollen vermieden werden gegen den belgischen Kombinationsfußball um den diesmal uneffektiven De Bruyne. Auf eigenen Kontern um den schnellen Mbappe ruhten die Offensiv-Hoffnungen. Die Belgier müssen sich gefährliche Aktionen geduldig erarbeiten. De Bruyne ist weitgehend zugestellt – wie auch Lukaku im Sturmzentrum, der kaum am Spiel teilnehmen kann. So ist es nur Hazard, der immer wieder die Initiative ergreifen muss.

Zunächst geht in der 15. Minute ein Schuss des Kapitäns knapp vorbei. Dann fälscht Verteidiger Varane in der 18. Minute per Kopf einen Versuch von Hazard gerade noch so ab. Der französische Torhüter Lloris wäre geschlagen gewesen. Kurz darauf rettet Lloris vor Fellaini in der 20. Minute mit der Faust und gleich danach bei einem Drehschuss von Alderweireld in der 22. Minute mit starker Reaktion auf der Linie. Frankreich ist eher zu passiv und reagiert nun. Stoßstürmer Giroud setzt in der 31. Minute einen Kopfball als erstes Signal. Nach einer Hereingabe von Mbappé bekommt er in der 34. Minute keinen Druck auf den Ball. Die beste Chance bis dahin hatte Pavard in der 39. Minute, der aus spitzem Winkel an Belgiens Schlussmann scheitert.

Frankreich traute sich nach der Pause mehr. Giroud wird in der 50. Minute von Kompany im Strafraum gerade noch geblockt. Wieder mal – geradezu typisch für diese WM – bringt eine Standardsituation die Entscheidung, gefühlt bei den meisten Toren der WM. Beim Eckstoß entwischt Umtiti der Bewachung von Fellaini und köpft am kurzen Pfosten zur 1:0 Führung ein.


Das Tor setzt den Belgiern mächtig zu. Giroud hätte sogar erhöhen können, wird bei seinem Versuch in der 56. Minute gerade noch von Dembelé geblockt. Wo bleibt die belgischen Offensive? De Bruyne kann ausgerechnet im Halbfinale nicht, wie gewohnt, seine Akzente setzen. Dies ist nicht zuletzt ein Zeichen für die starke Leistung der französischen Defensive um den überragenden sechser Kante. Sie lassen kaum Räume, dass Belgien hätte Geschwindigkeit aufnehmen können wie im Spiel gegen Japan.

Hazard versucht immer wieder durch sein unwiderstehliches Dribbling Lücken in den französischen Abwehrverband reißen. Doch er allein kann das Spiel nicht drehen. Heute sind auch seine Kollegen nicht stark genug. Fellaini köpft knapp neben das Tor in der 65. Minute. Lloris pariert einen Schuss von Witsel in der 81. Minute. Frankreich lässt die Belgier kaum zur Entfaltung kommen, selbst in den oft so hektischen Schlussminuten bei der WM bleibt den Belgiern keine Chance mehr für einen Lucky Punch. Auch weil der fantastische Sturm mit Griezmann, Mbappe und Giroud auch defensiv arbeitet für die L’Equippe Tricolore. Belgiens Goldene Generation versucht, bis zum Schluss noch den Ausgleich herzustellen, doch hat keinen Glanz und kein Esprit mehr zu bieten.

FOOTBALL IS COMING HOME but still on its way … – KROATIEN endlic Finalic!

KROATIEN – ENGLAND


Im zweiten Halbfinale gibt England nach einer 1:0-Führung das Spiel noch aus der Hand. Für das Team von Southgate platzt der Traum vom Endspiel 52 Jahre nach dem Triumph von Wembley gegen Deutschland. Kroatien, das zum dritten Mal bei dieser WM in die Verlängerung muss, setzt sich mit 2:1 durch und kann so das dritte Elfmeterschießen in Folge verhindern. Sie hätten wohl kaum auch ein drittes Mal in der Elfmeterlotterie gewonnen. Dank des späten Tores von Mandzukic greift Kroatien erstmals nach dem WM-Pokal und fügt dem Mutterland des Fußballs eine ganz bittere Halbfinal-Niederlage zu.

England erwischt einen Traumstart, und wie so oft bei dieser WM ebnet eine Standardsituation den Weg zum Glück. Englands zwölftes Tor ist das neunte nach einem ruhenden Ball. Modric foult Alli gut 20 Meter vor dem Tor in zentraler Position. Trippier schlenzt den Freistoß in der fünften Minute unhaltbar rechts oben ins Eck. Kroatiens zuletzt so starker Keeper Subasic kann nur hinterherschauen. Die frühe Führung gibt den Three Lions zusätzliche Sicherheit. Nach einer Ecke hat Verteidiger Maguire in der 14. Minute die nächste Chance, köpft jedoch neben das Tor. Bei den Kroaten läuft nicht viel zusammen.

Das Aufbauspiel ist viel zu langsam, die Pässe kommen häufig ungenau. Ein Distanzschuss in der 19. Minute von Perisic, der sein Ziel um einen halben Meter verfehlte, war alles, was das Team von Trainer Dalic in der Anfangsphase zu bieten hat. Spielmacher Modric und Rakitic tun sich gegen Bewacher Alli und Henderson schwer.


Die englischen Offensivspieler machen es besser. Immer wieder hängen sie ihre Gegenspieler wie die eher schwachen Außenverteidiger Strinic und Vrsaljko ab und hätten sich nach einer halben Stunde fast mit dem zweiten Treffer belohnt. Alli steckt super durch auf Kane. Doch der Angreifer scheitert zunächst freistehend an Subasic und dann aus spitzem Winkel aus nur einem Meter Entfernung am Pfosten. Zwar pfeift der türkische Schiedsrichter Cakir völlig unverständlich auf Abseits. Bei einem Tor hätte er wohl (hoffentlich) seine Entscheidung mit Hilfe des Videoassistenten) zurückgenommen. Kroatien bekommt keinen Zugriff. In den entscheidenden Situationen ist die Mannschaft von Southgate zunächst immer einen Tick schneller. Lingard verzieht in der 36. Minute aus aussichtsreicher Position. England hätte zur Pause schon 2:0 oder 3:0 führen können oder sogar müssen.

Nach dem Seitenwechsel probiert Kroatien mehr und nähert sich dem englischen Tor an. Keeper Pickford bekommt aber weiterhin erstmal nicht viel zu tun. Das letzte Zuspiel der Kroaten kommt noch nicht an. Einen strammen Perisic-Schuss blockt Walker in der 65. Minute in höchster Not ab. Drei Minuten später lässt sich der Verteidiger überraschen: Vrsaljko flankt ausnahmsweise präzise ins Zentrum. Von hinten stürmt Perisic heran und bugsiert den hohen Ball vor Walker mit dem Fuß ins Tor. Plötzlich ist Kroatien hellwach.

Bei den unerfahrenen Engländern ist nun die Verunsicherung förmlich greifbar. Perisic hat das 2:1 auf dem Fuß, trifft jedoch nur den Pfosten. Für England zielt Lingard in der 77. Minute bei einem der nun immer selteneren Angriffe nicht genau genug. Mandzukic scheitert in der 83. Minute an Pickford.

So muss Kroatien zum dritten Mal nacheinander in die Verlängerung. Vrsaljko rettet in der 99. Minute nach einem Kopfball des englischen Abwehrspielers Stones für seinen schon geschlagenen Torwart. Auf der Gegenseite ist Pickford in der 105. Minute ohne Rücksicht auf Verluste gegen Mandzukic zur Stelle und beide prallen zusammen, können aber weiterspielen. Wenig später in der 109. Minute ist der Torhüter dann machtlos. Perisic bringt den zunächst geklärten Ball mit dem Kopf Richtung Fünfmeter-Raum. Die englischen Verteidiger sind schläfrig und erkennen nicht die Gefahr dieser Vorlage. Mandzukic, zwischen Stones und Maguire stehend, reagiert am schnellsten und schießt den Ball eiskalt mit dem schwächeren linken Fuß ins lange Eck zu 2:1 Führung und trifft zum frenetisch bejubelten Sieg. 20 Jahre nach der Halbfinal-Niederlage gegen Frankreich hat Kroatien im Endspiel nun die Chance zur Revanche

FINALE / Spiel Platz 3

Mit Frankreich und Kroatien stehen sich nun am Sonntag in Moskau die jeweils schlechter platzierten Mannschaften aus dem Halbfinale gegenüber. Während am Samstag die Verlierer Belgien und England in St. Petersburg im kleinen Finale aufeinandertreffen.

Frankreich erreicht damit zum dritten Mal das Finale und kann nach 1998 seinen zweiten WM-Titel holen. Kroatien steht überhaupt erstmalig im Finale eines internationalen Turniers. Zuletzt gelang es dem vormaligen Jugoslawien 1968 das Finale der EM zu erreichen. Italien gewann.

Damit schließt sich der Kreis zu 1998, als ausgerechnet die Franzosen im Halbfinale Kroatien mit 2:1 besiegten. Damals holten sie bei der Heim-WM erstmalig den Titel im Finale gegen Brasilien, als Zidane das Spiel mit zwei Toren entschied. Der Jubel auf der Champ Champs-Élysée war grenzenlos. Kroatien belegte Platz drei durch einen Sieg gegen die Niederlande.

Finale: Frankreich (7) – Kroatien (20)

Platz 3: Belgien (3) – England (12)

Frankreich geht wohl als Favorit ins Finale mit ihrer noch jungen aber hochtalentierten Mannschaft sowohl in der Defensive als in der Offensive. Wer sich jedoch wie die erfahrenen Kroaten in drei K.O.-Spielen in 120 Minuten oder mehr durchsetzt, hat sicher keine Angst davor, sich auch im vieren K.O-Spiel bis zum Äußersten einzusetzen, um den Titel zu holen.


Hätte man vor der WM auf Frankreich als Sieger gesetzt, bekäme man für einen Euro Einsatz acht Euro zurück, für Kroatien immerhin 31 Euro.


Selten zuvor bei einer WM wäre wohl die Überraschung größer, wenn ausgerechnet das kleine Kroatien den Titel holen könnte, das historisch jetzt schon seine beste WM-Platzierung erreicht hat…

ERSTMALIGE WM-SIEGER

  • Nach Frankreich 1998 hatten nur die Niederlande die Möglichkeit, 2010 zum ersten Mal den Titel zu gewinnen. Sonst trafen sich seitdem immer ehemalige Titelträger im Finale.
  • Allein Brasilien, Deutschland, Italien und Argentinien kommen in der WM-Historie auf zusammen 26 Teilnahmen.
  • Die Niederlande sind die Mannschaft, die am häufigsten das Finale erreichten und dabei keines davon gewinnen konnte - 1974, 1978 und 2010.

SKURRILES

Mit dem Ausscheiden von Belgien (Trainer Martinez ist Spanier) bleibt auch diese Serie bestehen:

Jedes Team, das bisher die Weltmeisterschaft gewinnen konnte, wurde von einem Trainer betreut, der die gleiche Nationalität wie seine Mannschaft hatte. Hält die Serie?

GELDSTRAFEN WEGEN FEHLVERHALTEN

Der FIFA ist das Einhalten von Regeln während des Turniers sehr wichtig, vor allem die Vergehen, die Sponsoren betreffen könnte. Sonst nimmt es die FIFA bekanntlich nicht ganz so genau…


Höchste Strafen:

  • Der englische Verband wurde zu einer Strafe von 70.000 Schweizer Franken verurteilt, weil die Spieler vor dem Spiel gegen Schweden Socken mit nicht genehmigten Logos getragen hatten.
  • Der kroatische Verband wurde zu einer Strafe von 70.000 Franken verurteilt, weil die Spieler vor dem Elfmeterschießen gegen Dänemark nicht genehmigte Getränke konsumierten.

Strafen gegen rassistische Handlungen, wie z.B. beim Spiel Serbien gegen Schweiz, gegen die die FIFA besonders wirbt, werden dagegen nicht ganz so erst genommen.


Niedrigste Strafe:


  • Wegen unsportlichen Verhaltens beim abschließenden Jubel nach dem Sieg Deutschlands ím Gruppenspiel gegen Schweden wurden die beiden deutschen Funktionäre Georg Behlau und Uli Voigt zu je 5.000 Schweizer Franken Strafe verurteilt.

Hier muss man sich die Frage stellen, was genau überhaupt deren Vergehen war. Die FIFA und deren Schiedsrichter und Funktionäre sollten sich zu allererst darum kümmern, dass die Spieler als Vorbilder das Fairplay auf dem Platz einhalten genauso wie die Regeln, die längst verwässert sind durch zu freies Auslegen durch die Schiedsrichter. Hier sind zu nennen etwa FairPlay bei einem verletzten Spieler, unnötiges Zeitspiel/Ball wegschießen/blockieren oder Ringereien im Strafraum bei Standardsituationen, die niemand sehen will und eine klare Regelung bei Handspiel. Dann erkennen auch die Zuschauer und Fans wieder eher, dass die FIFA für den Fußball da ist und nicht umgekehrt.

Autor: Arno Hettler ǀ 13. Juli 2018 ǀ München Ismaning

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Arno Hettler

Über den Autor

Arno Hettler

Arno ist seit 2008 bei maihiro und für den Bereich MOS (als Application Manager) tätig. In seiner Freizeit schlägt sein Herz für den Fußball. Logisch, dass die bevorstehende WM für Arno DAS Ereignis des Jahres wird. Mit seinem Fußball-Fieber hat er unser Team bereits angesteckt, zum sechsten Mal ein internes Tippspiel organisiert und zum dritten Mal die maiWM. Erstmals teilt Arno in den kommenden Wochen sein Fußballwissen mit allen maihiro-Followern.